Auf einer weiten Wiese stehen, während die Sonne scheint – das wäre eigentlich der perfekte Augenblick, um deinem Hund ein Stück Freiheit zu schenken.
Doch statt Freude macht sich oft ein ungutes Gefühl im Bauch breit und die Hand hält die Leine lieber noch ein bisschen fester.
Diese Unsicherheit beim Freilauf zeigt oft einfach, wie wichtig dir die Sicherheit deines Begleiters ist. Wir begleiten dich dabei, diese Hürden in deinem eigenen Tempo zu nehmen, damit aus Sorge echtes Vertrauen wachsen und ihr eine tiefe Bindung zum Hund aufbauen könnt.
Das Wichtigste auf einen Blick:
Gefühle übertragen sich: Deine innere Anspannung wird von deinem Hund wahrgenommen, weshalb deine eigene Gelassenheit die wichtigste Grundlage für einen entspannten Freilauf ist.
Schrittweise Sicherheit: Durch gezielte Übungen zur Orientierung, das Training mit der langen Leine und einen besonderen Rückruf für Notfälle baut ihr gemeinsam Vertrauen auf.
Vorsorge gibt Halt: Hilfsmittel wie Ortungsgeräte für den Notfall und das Wissen über gesetzliche Ruhezeiten in der Natur geben dir den nötigen Rückhalt, um die Leine gelassener loszulassen.
Warum uns der Freilauf manchmal Bauchschmerzen bereitet
Die Leine zu lösen ist oft mit der Sorge verbunden, die Kontrolle zu verlieren. Vielleicht hast du Angst vor dem Straßenverkehr, vor Begegnungen mit anderen Hunden oder davor, dass dein Liebling plötzlich Wild wittert und sein Jagdtrieb geweckt wird. Solche Gedanken sind keine Fehler, sondern eine Lernchance, der wir uns widmen können.
Hinter dieser Unsicherheit stecken oft ganz persönliche Gründe:
- Frühere Erlebnisse: Vielleicht ist dein Hund schon einmal weggelaufen oder es gab eine brenzlige Situation, die das Angstverhalten beim Hund oder deine eigene Vorsicht geprägt hat.
- Druck von außen: Viele möchten alles richtig machen und sorgen sich darum, was andere denken, wenn der Rückruf nicht sofort klappt.
- Fehlendes Wissen: Manchmal fehlt einfach die Übung, die Körpersprache des Hundes in jeder Sekunde sicher zu deuten.
Dein Hund merkt, was in dir vorgeht
Hunde haben extrem feine Antennen für unsere Gefühle. Wenn du innerlich angespannt bist, überträgt sich das fast eins zu eins auf deinen Hund. Er merkt deine Muskelanspannung und nimmt unbewusst wahr, wenn du ein gestresster Hund-Besitzer bist oder dich gerade unwohl fühlst.
Das signalisiert ihm oft, dass die Umgebung gerade ungemütlich oder gefährlich ist, was ihn selbst unruhig werden lässt. Aber das ist auch eine Chance: Wenn du lernst, eine souveräne Führung ohne Druck zu übernehmen und deinem Hund Orientierung zu geben, wird er diese Sicherheit dankbar annehmen.
Komm in meinen Workshop!
Wenn du spürst, dass diese Anspannung eure Ausflüge belastet und du dir einen Weg wünschst, wie ihr wieder entspannt zusammenwachsen könnt, ist mein Workshop zu Rückruf und Impulskontrolle ein hilfreicher Schritt. Wir gehen den Ursachen für die Unsicherheit auf den Grund und schaffen die Basis für ein neues Miteinander.
Eure 5 Schritte in ein freies Miteinander
Hier erfährst du, wie ihr euch ganz ohne Druck auf den Freilauf vorbereiten könnt. Verständnis und eine liebevolle Führung sind dabei eure wichtigsten Begleiter auf diesem Weg.
1. Das Fundament: Freiwillig bei dir bleiben
Es geht nicht darum, dass dein Hund nur starr auf Befehle hört. Er soll von sich aus den Kontakt zu dir suchen. Belohne jeden Blick, den er dir beim Spaziergang schenkt. So lernt er, dass die Orientierung beim Hund viel schöner ist als alles andere um ihn herum.
- Mein Tipp: Nutze ein kurzes Signal für mehr Aufmerksamkeit, wie ein Schnalzen oder ein leises Wort. Das hilft deinem Hund, sich aus einer Fixierung auf die Umwelt zu lösen, ohne dass du direkt einen Rückruf aussprechen musst.
- Ein Beispiel: Läuft dein Hund zu weit vor, dreh dich wortlos um und geh in die andere Richtung. Sobald er merkt, dass du weggehst und zu dir aufschließt, belohnst du ihn freudig.
2. Die Schleppleine als Sicherheit
Bevor du die Leine ganz weglässt, ist eine lange Leine (Schleppleine) ein wunderbares Hilfsmittel. Sie gibt deinem Hund einen größeren Radius, während du die Sicherheit behältst, jederzeit eingreifen zu können.
- Mein Tipp: Tritt im Zweifelsfall lieber auf die Leine oder halte sie fest, statt deinen Hund aktiv heranzuziehen. Der Fokus liegt darauf, dass dein Hund selbst die Entscheidung trifft, zu dir zu kommen. Eine feine Leinenkommunikation hilft euch dabei, im Gespräch zu bleiben.
- Ein Beispiel: Dein Hund vergisst sich gerade beim Buddeln und hört dein Signal nicht sofort. Statt an der Leine zu rucken, bleibst du ruhig stehen und wartest, bis er sich von selbst zu dir orientiert, sobald er den leichten Widerstand der Leine spürt.
3. Der Rückruf für den Ernstfall
Für Momente, in denen es wirklich wichtig ist – zum Beispiel, wenn ein Hase den Weg kreuzt – trainieren wir ein ganz besonderes Signal. Nutze dafür eine Hundepfeife oder ein Wort, das du im Alltag sonst nie verwendest.
- Mein Tipp: Dieser Pfiff wird ausschließlich mit den allerbesten Belohnungen verknüpft, die es sonst nie gibt – wie zum Beispiel ein besonderes Stückchen Fleischwurst. Wenn du magst, kannst du dafür auch ein gezieltes Hundetraining mit Leckerli nutzen.
- Ein Beispiel: Übe das Signal zunächst zu Hause in Ruhe. Dein Hund soll lernen: Wenn dieses Geräusch ertönt, lohnt es sich mehr als alles andere auf der Welt, sofort umzukehren.
4. Den Radius im Blick behalten
Dein Hund soll lernen, eigenständig einen gewissen Abstand zu dir einzuhalten. Sobald er die Grenze dieses Abstands erreicht, kannst du ein Signal zur Umkehr geben. Dabei ist auch eine gute Impulskontrolle deines Hundes gefragt, damit er nicht jedem Reiz sofort nachgibt.
- Mein Tipp: Ändere beim Spaziergang öfter mal plötzlich die Richtung, ohne deinen Hund zu rufen. So lernt er, dass er selbst die Verantwortung trägt, den Anschluss nicht zu verlieren.
- Ein Beispiel: Läuft dein Hund zu weit vor, dreh dich wortlos um und geh in die andere Richtung. Sobald er merkt, dass du weggehst und zu dir aufschließt, belohnst du ihn freudig.
5. Lade deinen Hund mit dem Körper ein
Deine Körpersprache ist ein mächtiges Werkzeug. Wenn du starr auf deinen Hund zuläufst, wirkt das oft eher bedrohlich und er weicht aus.
- Mein Tipp: Mach dich beim Rückruf klein oder bewege dich ein paar Schritte von deinem Hund weg. Das aktiviert seinen Folgetrieb und macht das Herankommen für ihn viel attraktiver.
- Ein Beispiel: Wenn dein Hund auf dich zukommt, geh leicht in die Hocke und dreh dich seitlich weg. Du wirst merken, wie viel lieber und schneller er den Weg zu dir findet.
Hilfsmittel, die den Kopf frei machen
Manchmal hilft ein wenig Ausrüstung dabei, sich selbst sicherer zu fühlen:
- Ortungsgeräte: Wenn du weißt, dass du deinen Hund jederzeit über dein Telefon finden könntest, fällt es dir viel leichter, die Leine im Kopf loszulassen. So ein Gerät ist kein Ersatz für Erziehung, aber es nimmt die existenzielle Angst vor dem Verlust des Tieres.
- Sicherheitsgeschirre: Besonders bei Hunden, die zu einem ausgeprägten Angstverhalten neigen, geben diese Geschirre mit einem zusätzlichen Gurt die Gewissheit, dass dein Hund nicht entwischen kann.
Wann die Leine die bessere Wahl ist
Es gibt Tage und Situationen, da ist die Leine kein Hindernis, sondern notwendiger Schutz. Während der Brut- und Setzzeit schützen wir so unsere Wildtiere in Wald und Flur. Auch wenn dein Hund gerade krank ist, Schmerzen hat oder eine Hündin sich in der Läufigkeit befindet, ist die Leine die verantwortungsbewusste Wahl, um Unfälle oder unkontrolliertes Weglaufen zu verhindern.
In unübersichtlichem Gelände oder nah an stark befahrenen Straßen geht Sicherheit immer vor. Auch wenn dein Hund nicht Gassi gehen will oder das Wetter mit extremer Hitze oder Gewitter die Konzentration deines Hundes trübt, ist Vorsicht geboten. Zudem gibt es leider Gebiete, in denen die Gefahr einer Vergiftung durch Köder besteht – auch hier schenkt dir die Leine die nötige Kontrolle.
Fazit: Mut wächst gemeinsam
Die Unsicherheit vor dem Freilauf zu überwinden, braucht Zeit, Geduld und gegenseitiges Verständnis.
Es geht nicht darum, jedes Risiko komplett auszuschalten, sondern es durch Wissen und Vertrauen überschaubar zu machen. Jede gute Erfahrung stärkt eure Verbindung und sorgt für mehr Lebensfreude im Team. Sei geduldig mit dir und deinem Hund – ihr werdet an dieser Herausforderung wachsen.
Diese Freiheit ist ein großes Geschenk, das du dir und deinem Hund mit ein wenig Vorbereitung ermöglichen kannst.
Komm in den Workshop!
Damit ihr draußen wirklich als Team funktioniert und du die Kontrolle gelassen abgeben kannst, vertiefen wir die Grundlagen in meinem Live-Workshop am 19. April 2026. In diesen zwei Stunden widmen wir uns der Frage, wie du klare Orientierungspunkte setzt und die Impulse deines Hundes besser verstehst.
Du bekommst ein Arbeitsbuch für dein Training zu Hause und wir klären im direkten Austausch deine persönlichen Fragen.
Häufige Fragen
Wie reagiere ich, wenn ein unangeleinter Hund auf uns zukommt?
Bleib ruhig und versuche, deinen Hund auf die andere Seite zu nehmen. Mit einem festen „Stopp“ und einer klaren Handbewegung kannst du den fremden Hund oft abhalten. Den eigenen Hund abzuleinen kann manchmal Streit verhindern, sollte aber nur passieren, wenn die Umgebung sicher ist. Eine gute Leinenführigkeit hilft dir dabei, in solchen Momenten souverän zu bleiben.
Ersetzt ein Ortungsgerät das Training?
Nein. So ein Gerät ist ein reines Hilfsmittel für den Notfall, um einen entlaufenen Hund wiederzufinden. Es verhindert weder das Weglaufen noch Unfälle im Verkehr. Ein ordentliches Training des Rückrufs bleibt die wichtigste Grundlage für eure Freiheit.
Muss ich meinen Hund immer anleinen, wenn mir Menschen begegnen?
Ja, das gehört zur gegenseitigen Rücksichtnahme und zum guten Ton. Viele Menschen haben Angst vor Hunden. Wenn du deinen Hund kurz zu dir rufst, zeigst du Respekt und Verantwortung für deine Mitmenschen und die Individualdistanz anderer.





